Die Kirchweih in Stadtsteinach – Tradition und Gegenwart
Die Kirchweih – fränkisch „Kerwa“ – war über Jahrhunderte einer der Höhepunkte im Jahreslauf. Noch bevor 1803 das Hochstift Bamberg aufgelöst wurde, zählte sie neben Weihnachten, Ostern und Pfingsten zu den großen Festtagen. Daher stammt auch die Redensart „alle heiligen Zeiten“.
In Stadtsteinach wurde die Kerwa besonders intensiv gefeiert. Bis zum Dreißigjährigen Krieg gab es sogar zwei Termine: die Margarethen-Kirchweih am Sonntag vor Jakobi und die Michaelis-Kirchweih am Sonntag nach Michaelis. Nachdem der Margarethen-Altar nicht mehr errichtet wurde, blieb nur die Michaelis-Kerwa bestehen.
Während andernorts bald nur noch Gansbraten, Krapfen, Streuselkuchen und Tanz das Fest bestimmten, hielten sich in Stadtsteinach die alten Bräuche ungewöhnlich lange. Davon zeugen Fotografien aus den Jahren 1898, 1921, 1925 und 1937, die heute im Heimatmuseum zu sehen sind.
Damals begann das Treiben nach der Nachmittagsandacht. Rund 15 bis 20 junge Männer, die „Blotzburschen“, zogen mit dem Türmer und einigen Musikschülern zum Marktplatz, wo der Kirchweihbaum stand – geschmückt mit bunten Bändern und Fähnchen. Unter Anleitung des „Blotzmeisters“ eröffneten die Paare den Festreigen mit traditionellen Tänzen.
Die Kleidung war festlich, aber unverkennbar fränkisch: Die Burschen trugen dunkle Rundhüte, weiße Hemden mit bunten Halstüchern, Kniebundhosen, weiße Strümpfe und Halbschuhe. Die „Madla“ erschienen in dunklen Miedern mit Schnürung, hochgeschlossenen Blusen, kniebedeckten Röcken, weißen Schürzen und Spangenschuhen – die ältesten belegten Trachten der Stadt.
Nach den Tänzen folgten Belustigungen, die der Blotzmeister mit Witz und Sprüchen anleitete. Spätestens zum Gebetläuten gegen sieben Uhr endete der offizielle Teil. Während die Jugend nach Hause geschickt wurde, zog es die Männer weiter in die Wirtshäuser.
So blieb die Stadtsteinacher Kirchweih über Generationen hinweg ein lebendiges Stück Kulturgeschichte – und ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie sich ein kirchlicher Festtag zum Volksvergnügen wandelte, ohne seine Wurzeln zu verlieren.
Kirchweih heute
Auch heuer erwartet die Besucher wieder ein buntes Programm:
- Autoscooter und Kinderkarussell sorgen für Vergnügen bei Jung und Alt.
- Frische Bratwürste und kühles Bier stillen Hunger und Durst.
- 10:30 Uhr Festgottesdienst zur Kirchweih mit Musikverein
- 14:00 Uhr Kinderflohmarkt auf dem Markplatz.
- 14:00 Uhr Fotoausstellung “Stadtsteinach im Fokus” im Rathaus
- 19:00 Uhr „Nachts im Heimatmuseum – Wenn Geschichte lebendig wird …“
So lebt die Tradition der Stadtsteinacher Kerwa bis heute fort – fest verwurzelt in Geschichte und Glauben, zugleich fröhliches Volksfest für alle Generationen.



















